Zu den Arbeiten Roland Heyders
Er kombiniert in seinen Bildern formale, dokumentarische und metaphorische Bedeutungen. Die von ihm angewendeten Interaktionen sind dabei oft so reichhaltig wie mehrdeutig und doppelsinnig, wie das Leben selbst.
Hinter den rational fassbaren Darstellungen in seinen Werken verbirgt sich der ihm eigene Humor. Aber auch Ironie wird in seinen Bildern sichtbar.
Er inszeniert, spielt mit dem Absurden und kombiniert seine Bilder zu einem monumentalen Ganzen. Dabei verwendet er den künstlichen Charakter der Farbe als eigenständiges ästhetisches Mittel. Die Farbe dient ihm ebenfalls dazu, das Fiktive seiner Bildwelten verstärkt zu demonstrieren. Der Kontrast zwischen Realität und Fiktion wird durch differenzierte Farbgebung betont.
In diesem, von ihm dargestellten Lebensgefühl, nimmt die Welt im abrupten Wechsel mal traumhafte, mal monströse, mal paradiesische, mal gigantische und mal niedliche Züge an.
Sie sind die Gegenüberstellung von Ich und der empfundene Zustand der Umwelt. Nicht selten ist zu erkennen, dass er an dem menschlichen Geist zweifelt. So übt er in seinen Bildthemen auch Kritik an den Normen und Weltvorstellungen der hedonistischen Gesellschaft.
Seine Bilder sind meist nicht auf den ersten Blich zu entziffern. Mit tragischem Sinn für das Unglück des menschlichen Lebens komponiert er seine Themen. Dennoch verfügen seine Werke über eine stoische Gelassenheit.
Er spielt mit den durchlebten, künstlerischen Erfahrungen der Kunstgeschichte und führt sie zu der Synthese zusammen. So sind auch barocke Züge nicht zu übersehen, was sich verstärkt in den Posen der menschlichen Körper und deren mächtiger und prächtiger Umgebung zeigt.
Er verdichtet jenes schwankende Lebensgefühl, das unserer Zeit den Stempel aufgedrückt hat.
Irmgard Heyd
Kunst: Ausdruck einer Individualität
Was Roland Heyder sich auf die Ochsentour selbst beigebracht hat, dafür müssen manche jungen Leute viele Jahre studieren. Seine
„Akademie des Lebens“ jedenfalls hat ihn weit gebracht, hat ihn aber auch vor Hochmut bewahrt und hat ihm die seltene Gabe des Humors in der Kunst
beschert. Wie anders könnte er so ungeniert und gekonnt seine gemalten Collagen ersinnen, oder sein augenzwinkerndes Ölbild „Vermeers
Malkunst“! Eine Kopie? Gewiss auch das! Altmeisterliche Technik, Drapierungen, Maler und Modell, selbst der flämische Lüster, die
Landkarte, das seltsam intime und zugleich doch helle Atelierlicht: alles originalgetreu, wäre da nicht auf eben dieser Landkarte eine moderne
junge Frau zu sehen, die sich ein wenig fragend in dieser Inszenierung umsieht, wäre die leichte Ironie, das Spiel mit der Vergangenheit gar
nicht sofort erkennbar. Landschaften, Interieurs, Akte, Collagen, was auch immer unter Roland Heyders Händen entsteht ist von einer
ungemeinen Liebe zum Detail bestimmt. Er setzt seine grauen Wolken in leblose Landschaften, lässt das Licht auf seine altmeisterlichen
Miniaturlandschaften leuchten, zu denen er oft in seinen Bildern Ausblicke eröffnet, er zitiert, setzt gelegentlich aber auch – einer Collage
vergleichbar – unterschiedlichste Komponenten und Aussagen zu einem Bild zusammen, so im 1999 entstandenen Ölbild „Otto Dix“, in
dem sich neben dem Porträt des Künstlers Zitate aus seinen Werken, Reflektionen über Leben und Tod, Szenen aus Dix’schem Inferno aber
auch Architektur und romantische Landschaftsszenen finden lassen. Einen Zug zur Romantik, gepaart mit der ihm eigenen Ironie, entdeckt
man häufig in den Heyder’schen Bildern, so auch in „Geschlechtertrennung“ von 1996. Aus der Leinwand, die im Bildvordergrund mit
einem Panzernashorn nebst dem eben dieses zeichnenden Bleistift, einem Apfel und einer ihn zerteilenden Klinge besteht, deren Schaft nach
oben zu einem Regenrohr mutiert, wächst ein Haus. Mit einer optischen Brechung auf halber Höhe, als veränderten sich da die Luftschichten,
perspektivisch so gestaltet, dass der Betrachter sich unwillkürlich nach hinten beugt, Das schöne, südländisch anmutende Haus, von dem der
Putz abbröckelt, beherbergt Menschen, links den Mann, der sich weit aus dem Fenster lehnt, mit einer Angel einen Vorhang lüftend, der über
einem Mauerdurchlass hing und der jetzt den Blick in eine schöne südliche Landschaft freigibt. In der rechten Abteilung des Hauses die
Damen, eine wie eine Allegorie als Rückenakt im Fenster stehend, die andere - ebenfalls ein Akt – sich weit aus dem Fenster
herausbeugend, um den Angelnden zu reizen oder nur zu betrachten, der jedenfalls scheint sich nur für seine Angel zu interessieren. Eine
Allegorie? Ein Vexierbild? Man wünscht sich einen schmunzelnden Roland Heyder in dieses Bild, der dem Betrachter zu weiteren
Spekulationen auffordert.
Robert Musil |